Künstler und Fotograf – Presse

AUS DEM GELDERLAND
Ein Fotokünstler auf dem Jakobsweg

 

RP-Foto: Evers
Rucksack und Kameratasche immer am Mann: Fotograf Matthias Dunemann präsentiert Eindrücke vom Jakobsweg in der Kevelaerer Galerie Kocken.

Die rund 700 Kilometer lange Pilgerstrecke von Frankreich nach Spanien spielt im Leben von Matthias Dunemann eine wichtige Rolle. Seine Eindrücke hält er mit der Kamera fest, um sie anschließend digital zu bearbeiten.

VON MONIKA KRIEGEL

HARTEFELD |/Kevelaer Neun Mal hat er sich bereits auf den Pilgerweg gemacht. Die zehnte Wiederholung des Wanderns und Pilgerns auf dem Jakobsweg ist vorgesehen, aber Matthias Dunemann lässt sich Zeit und hat noch keine konkreten Pläne. Der Bestseller „Jakobsweg“ von Paulo Coelho löste in ihm den Impuls aus. In einer Phase, als der Hartefelder auf der Suche war, „mal rauszukommen, was anderes als den Standard zu machen“, wie der gebürtige Dortmunder beschreibt.

„Ich weiß noch, dass ich angesichts des ‚leichten’ Gepäcks gezweifelt habe, überhaupt eine Kamera in den Rucksack zu packen“, erzählt der 52-Jährige. Was sollte man schließlich in der schlichten Landschaft fotografieren? Am Ende wurden es pro Woche etwa 3000 Fotos, die von Jahr zu Jahr zu einem Bildarchiv von etwa 180.000 Motiven angewachsen sind. Einige davon hat Dunemann auserkoren, um sie am Computer mit digitalem Werkzeug künstlerisch zu bearbeiten.

„Digitaler Impressionismus“ nennt er seine eigenwillige, moderne Kunstform, die ursprünglichen Fotos in Form, Farbe, Proportion und Schärfe oder Unschärfe so zu verarbeiten, dass gedruckte Unikate entstehen. Diese Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch. Und oftmals findet der Künstler nach dem Druck immer noch die eine oder andere Kleinigkeit, die im Gesamteindruck verändert werden könnte. Sein Mentor Christian Gumbkow aus Wuppertal vervollständigte Einzelbilder mit einem Farb- und Pinselauftrag. „Von ihm habe ich viel gelernt, ich bin ihm sehr dankbar“, sagt Dunemann.

„Ich habe mich auf den Schwerpunkt Landschaft und Sakrales festgelegt. Für mich liegt der Reiz darin, eine ohnehin motivleere Landschaft noch schlichter zu machen“, beschreibt Dunemann seine Sicht durch die digitale Brille. Aus dem Parkplatz wird eine Spiegelung, die Segelschiffe im Hafen reduzieren sich auf eine Schraffierung in bunten Nuancen. Da bleibt vom Original des Vollformat-Bilds seiner Nikon-Kamera nur minimal etwas übrig. Oder das „Rote Schwert“, eines von wiederkehrenden optischen Begleitern auf dem Jakobsweg. Es zieht gestochen scharf wie dreidimensional in der Bildmitte die Blicke auf sich. Aber bald nimmt das Auge die goldgelben, strahlenden Ornamente wahr, die mit dem Königsblau beeindruckende Kontraste im Hintergrund bilden. Die seitlich auslaufende Unschärfe wirkt wie der Blick ins Unendliche.

„Das Pilgern ist ein fester Bestandteil meines Lebens und Bewusstseins geworden“, versichert Dunemann, der immer wieder andere, neue Erkenntnisse auf der gut 700 Kilometer langen Wanderstrecke gewinnt. „Die andere Wahrnehmung von Zeit, Größe, Weite, und sich dabei auf ein Ziel hin bewegen. Den Kern erkennen, dass die Strecke im Grunde das Erlebte ist, bei aller Vorfreude auf das Ziel. Auf dem Camino kann man vor allem davonlaufen, nur nicht vor sich selbst“, sinniert er. Der Wert der Zeit bekomme eine andere Bedeutung, ehemals Wichtiges entpuppe sich als Trivialität. „Ich hatte da so ein Schlüssel­erlebnis an einem heißen Tag. Die unscheinbare Kapelle, an der ich eigentlich vorübergehen wollte. Da kamen mir Pilger entgegen, die mir diese Kapelle empfahlen. Mein erster Eindruck war: Hier ist es kühl und schattig. Ich fühlte mich behütet und beschützt“, umschreibt Dunemann eine von vielen Impressionen, die ihn geradezu sehnsüchtig machen.

Der Körper stelle sich schneller auf die Strapazen ein, als man vielleicht vermuten mag. Und dann dieses Gefühl: „Man läuft und läuft und kommt am Ende des Tages irgendwo unter. Und das fühlt sich an wie früher, bei Oma auf der Couch zu sitzen, und sie macht mir einen warmen Kakao.“ Die persönliche Essenz seiner Lauferfahrung, die Dunemann nicht nur in seiner impressionistisch-abstrakten Form im Bildwerk ausdrückt. Gerade hat er ein Buch herausgebracht, das 24 Tage seines Weges widerspiegelt. „Kein Reisebericht, kein Wanderbuch, kein Ratgeber. Einfach nur ein neugieriger Wanderer, der sich auf den Weg gemacht hat und seine Reise als Pilger beendet“, erklärt Dunemann.

Seine Bilder vom Jakobsweg hat er bereits in einer Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum gezeigt. Eine neue Ausstellung mit eindrucksvollen Impressionen vom Jakobsweg wird bald in der Kevelaerer Galerie Kocken eröffnet. Galerist Tobias Kocken: „Matthias Dunemann ist ein Menschenfänger mit seinen Bildern.“

Quelle:  RP

 

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Matthias Dunemann wurde am 5. Februar 1969 in Dortmund als zweites von drei Kindern geboren. Im Alter von 24 Jahren zog er nach Bergheim und anschließend nach Geldern an den Niederrhein. Er arbeitet im Hauptberuf mit technischen Dingen, beschäftigt sich aber schon seit vielen Jahren mit Malerei, dann schließlich intensiv mit digitaler Fotografie. Seit dem Jahre 2011, inspiriert durch eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg, erwachte der Wunsch, professionell künstlerisch zu arbeiten. Zunächst entwickelte sich ein ausgeprägtes Interesse an fotografischen Arbeiten. Vorrangige Motive der Arbeiten sind vom Jakobsweg inspiriert. Es finden sich sakrale Motive, die dem Pilger auf dem Jakobsweg begegnen, sowie Landschaften Spaniens, wie sie der Jakobsweg bietet. Einhergehend mit der literarischen und künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Pilgern auf dem Jakobsweg, entwickelte sich ein tiefes spirituelles Bewusstsein, das seine künstlerische Arbeit bestimmt. Ausgehend von seinen zahlreichen Reisen auf dem Jakobsweg entstand ein Buch über den Jakobsweg Die Lichter auf dem Jakobsweg“ mit 24 spirituellen Texten und 24 Bildern, die auf dem Jakobsweg entstanden sind. Grundlage der Bilder sind Fotografien, die auf dem Jakobsweg gemacht wurden. Kennzeichen der Bilder des Künstlers sind eine Mischung aus Fotografie und digitaler Bildbearbeitung. Die Fotografien sind häufig nicht mehr als solche erkennbar, sie weisen deutliche Abstraktionen auf und dienen als Material für die künstlerische Arbeit. Dunemanns Arbeitsweise legt ihren Fokus in der letzten Zeit mehr und mehr auf die Abstraktion, das eigentliche Motiv wird zunehmend auf das Wesentliche reduziert. Dabei geht es stets um das zentrale Element im Bild, das Hauptmotiv wird herausgeschält, Nebensächliches wird zur Fläche oder zu grafischer Abstraktion. Oft bestimmen Kontraste wie Ruhe und Unruhe, Licht und Schatten u.v.m. seine Bilder. Die Bilder wirken eher wie Malerei, das Fotografische scheint in den Hintergrund gedrängt. Dunemann selbst bezeichnet seine Arbeiten als digitalen Impressionismus“.

Zunehmend fließt auch die analoge Malerei in sein Schaffen ein, indem er Fotografie, digitale Bildbearbeitung, Digitaldruck und analoge Malerei in einem Werk miteinander verbindet. Hier ist auch seine Zusammenarbeit mit dem renommierten Wuppertaler Künstler Christian v. Grumbkow zu nennen, der digitale Drucke Dunemanns mit zeitgenössischer Malerei verbindet. Erste erfolgreiche Ausstellungen am Niederreihn haben den Künstler in der Region bekannt gemacht.

Offene Ateliers Geldern :              24.09.2019         Quelle:RP

Der Tag der offenen Ateliers führte auch in den Atelierhof am Brühlscher Weg in Geldern. Matthias Dunemann (l.) zeigte digitalen Impressionismus. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)

Zahlreiche Künstler öffneten für den Tag der offenen Ateliers ihre Türen. Elisabeth Soppe stellte Encaustic-Malerei vor.

Ist das Kunst, oder kann das weg? Diese Frage stellte sich an diesem Wochenende zum Glück nicht. Denn zahlreiche Künstler öffneten ihre Türen. Auf dem Hovenweg bei Benn Pit van Lück und Anna Elisabeth Soppe konnte man sogar gleich sieben unterschiedliche Künstler und deren Werke bestaunen. Christiane Wedershoven zeigte bemalte Holzstücke. Das Holz stammt aus großen Kisten aus Indien, die als Transportkisten gedient haben. Damit das Holz nicht einfach auf dem Müll landet, bekommt es so einen neuen Wert. Mit Acrylfarbe malt Christiane Wederhoven erfrischend lustige Gesichter, die sich teilweise an der Maserung des Holz orientieren. Auf anderen findet man Tiere, die jeder hier am Niederrhein kennt: Esel, Pferde oder den stolzen Pfau. Doch auch Bilder mit Tieren von weit entfernten Kontinenten wie Giraffen und Erdmännchen kann man käuflich erwerben.

Bei Claudia Wagenknecht geht es auch tierisch zu. Karten, auf denen süße Schweinchen mit Knopfnasen zu sehen sind, lassen beim Betrachter sofort ein entzücktes „Oh, wie niedlich“ erklingen. Jede Karte wird auf 300-Gramm-Papier zunächst mit einem individuellen Hintergrund gestaltet. Dann kommen die Knöpfe und die Schweinchen dazu. Mit Nadel und Faden werden die Knöpfe einzeln aufgenäht und dazu passend dann die Schweinchen gemalt.

Bei Adrian Trapp und Moritz Kleinhans kommt die Kunst aus der Dose. Die Sprayer sind seit zehn Jahren gemeinsam künstlerisch tätig. Ihre sozialkritische Sicht auf die Welt zeigt sich zum Beispiel in einem Bild auf dem man einen großen roten Becher mit toten Küken sieht. Steht man etwas weiter weg, hält man es erst für Popcorn, doch bei näherem Betrachten sieht man die Küken. Fleisch in den dargestellten Eimern gibt es tatsächlich in einem bekannten Fastfood-Restaurant zu kaufen.

Sozialkritisch zeigt sich auch Benn Pit van Lück. Er kämpft unter anderem gegen das Vergessen. Sexueller Missbrauch, der allzu oft verjährt, ist nur ein Thema, welches er immer wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt. Ertrinkende Flüchtlinge und Mobbing verarbeitet Benn Pit van Lück ebenfalls in seinen Installationen und Bildern. Der Maler, Bildhauer und Schriftsteller hat auch einen Gedichtband veröffentlicht, der Gedichte und Bilder beinhaltet.

Bunt und heiß wird es bei Anna Elisabeth Soppe. Mit einem speziellen Bügeleisen zaubert sie wahre Kunstwerke. Encaustic-Malerei nennt sich diese Kunstrichtung. Durch Wachs, der mit Farbpigmenten eingeschmolzen wurde, kann man mit dem Bügeleisen das Gemisch auf Papier bringen. So entstehen abstrakte Bilder, aber auch Landschaften, wie man sie sonst nur von „Pinselkünstlern“ kennt.

 

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Kunst in GeldernAusstellung im Wasserturm heißt „Jedem seinen Platz“

 (RP) Die Ausstellung „Jedem seinen Platz“ ist ab Samstag, 18. Mai, im Wasserturm in Geldern zu sehen

Damit nimmt der Verein „KUHnst Turm Niederrhein“ an den 21. Kreis Klever Kultourtagen teil. Zu sehen sind Werke von Jacky Bamfaste, Monika Bänsch, Klaus Boegel, Peter Bogatka, Alex Bons, Peter Busch, Ursula Dambrowski, Monika Derrix, Matthias Dunemann, Karine Gamerschlag, Heiner Geisbe, Eva Haupt, Silvie Hauptvogel, Gabriele Hesse, Marion Jansen, Adib Khalil, Christian Krieter, Renate Krupp, Monika Lieps, LVR/HPZ-Melanie Nabbefeld, Michael Metzner, Burhan Mohammad, Jörg Möller, Markus Nilling, Claudia Nottebohm, Frank Preuss, Günter Rinkens, Klaus Schlebusch, Paul Schranz, Maria Eliana Schwarzenberg, Anna Soppe, Heinz Spütz, Peter Strege, Rudi Turinsky, Benn Pit van Lück, Nanni Wagner und vielen mehr.

Die Ausstellung soll eine interessante, künstlerische Annäherung und Auseinandersetzung in Wort, Bild, Installation und Musik werden.

Besichtigt werden kann die Ausstellung am 18. und 19. Mai sowie am 25. und 26. Mai von 11 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 19. Mai, ab 12 Uhr spielt Frank Preuss auf seiner Gitarre zum Thema  

www.kultourtage.de

 

 

 

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Geldern

Der Jakobsweg – live und geträumt

Der Hartefelder Matthias Dunemann (l.) hat einige seiner Fotos über den Jakobsweg in die „Chagall-Stube“ gehängt. Hannes Haag illustriert das Thema mit seiner Malereien. FOTO: gerhard seybert
Geldern. Ausstellung in der „Chagall-Stube“ am Gelderner Markt. Matthias Dunemann aus Hartefeld zeigt Fotos von seinen Wanderungen nach Santiago de Compostela. Hannes Haag hat sich davon zu seinen Malereien inspirieren lassen. Von Anne Klatt

Unter dem Motto „Pilgern. Die Sehnsucht nach Glück“ ist am Samstag in der Galerie „Chagall-Stube“ am Gelderner Markt eine Ausstellung eröffnet worden. Sie zeigt Arbeiten des Hartefelder Fotografen Matthias Dunemann und des Künstlers Hannes Haag zum Jakobsweg.

Dunemann, der seit 2011 vier Mal auf dem Jakobsweg gepilgert ist, hat auf seinen Reisen viele Eindrücke mit der Kamera festgehalten. „Man durchläuft während der Zeit einen inneren Wandel, man wird vom Tourist zum Pilger“, berichtet Dunemann von seinen Erfahrungen. In der arbeitsintensiven Vorbereitungsphase der Ausstellung stellte der Findungsprozess der Fotos für den Hartefelder die wohl größte Herausforderung dar. „Man erlebt so viel und bekommt so ein Gefühl von Leichtigkeit – die Fotos müssen genau diese Empfindungen widerspiegeln.“

Und tatsächlich bekommt der Betrachter der Fotografien das Gefühl, mit dem Fotografen mitzuwandern. Angefangen mit dem vollgestempelten Pilgerausweis und Schnappschüssen von den Reisen findet man sich mal in weiten Landschaften wieder, mal alleine in einer schmalen Gasse in einem der vielen kleinen Orte auf den 800 Kilometern zwischen der spanisch-französischen Grenze und Santiago de Compostela oder in einer dramatisch vernebelten Hügellandschaft mit einem Wegkreuz. Oft sind auch wiederkehrende Motive am Wegesrand, wie etwa das zentrale Bild der Jakobsmuschel, Thema. Allgegenwärtig auf allen Fotos sind jedoch die Einsamkeit und die Stille, die dem Pilger als ständige Begleiter auf dem Weg erscheinen.

Am Ende der Wand angelangt, grenzt eine im Pilgerdress gekleidete Puppe die Fotografie von der Malerei ab. Haag erklärt das Konzept der Ausstellung folgendermaßen: „Er ist gegangen, ich habe geträumt.“ Inspiriert durch Dunemanns Fotos hat Hannes Haag die für ihn wichtigen Aspekte des Jakobswegs kreativ herausgearbeitet. „Mir ist dabei das wichtig, was anders ist, das sind auf dem Jakobsweg vor allem die Häuser, die Architektur, die Gassen. Und selbstverständlich das Kreuz“, erklärt der Künstler seine Bilder. Ob Zeichnungen, Malereien, mit Pappe oder Kaffee – Haags Bilder zeigen eine außergewöhnliche Komposition von Farben und Material. Die Stimmung, die Dunemanns Fotografien aufgebaut haben, wird durch Haags Bilder noch intensiviert. Ein Herzstück der Ausstellung ist deshalb auch die in blau und grün gehaltene Kathedrale von Santiago de Compostela, die für die Pilger das Ziel ihrer Reise ist. Aber auch zu den anderen Bildern weiß Haag eine Geschichte zu erzählen.

Die Empfindungen des Pilgerns konnten einige Besucher der Vernissage, die selbst schon gepilgert sind, bestätigen und bald wurden untereinander Erfahrungen ausgetauscht.

Die Ausstellung von Hannes Haag und Matthias Dunemann ist in den nächsten drei Wochen während der Öffnungszeiten der „Chagall-Stube“ am Gelderner Marktplatz zu besichtigen: täglich außer montags von 9 bis 13 Uhr und von 16 bis etwa 20 Uhr.

Quelle: RP
rp-online | 25. April 2017 | 00.00 Uhr  Ausstellung „Der Weg“ im Gelderner Café Chagall

 

 

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Pilgern liegt im Trend!

Sonderausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum

8. Oktober 2016 – 9. April 2017

Jedes Jahr besuchen Millionen Menschen Pilgerstätten auf der ganzen Welt. Die Ausstellung nimmt Sie mit auf eine Reise zu 14 Orten. Neben Jerusalem, Mekka oder Santiago de Compostela werden auch weniger bekannte Stätten vorgestellt – wie der heilige Berg Kailash in Tibet, die goldene Shwedagon-Pagode in Myanmar oder die Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko-Stadt. Erleben Sie nicht nur die spirituelle Dimension, sondern auch die wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und nicht zuletzt touristischen Aspekte des Pilgerns.

 

Hier meine Fotos zum Jakobsweg welche es in die Ausstellung geschaft haben.

Ich würde mich freuen euch bei der Eröffnung begrüssen zu dürfen und freue mich auf Meinungen Gedanken und Kritik.

http://www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum/default.aspx?s=1916

 

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  | 00.00 Uhr  Ich bin dann mal weg

Geldern

Fotografensicht auf den Jakobsweg

Matthias Dunemann vor einigen Fotos seiner Ausstellung im Mühlenturm. FOTO: Markus van Offern
Geldern. In seiner aktuellen Ausstellung im Gelderner Mühlenturm zeigt Matthias Dunemann 252 Fotografien. Darunter viele von der berühmten Pilgerroute. 2011 machte der Sevelener die Tour. Dazu passt Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“. Von Bianca Mokwa

Es war vielleicht Zufall, dass die Gäste der Ausstellung „Kontraste 2016“ den Mühlenturm besuchten, nachdem sie im Kino den Film „Ich bin dann mal weg“ geschaut hatten. Der Film ist nach dem gleichnamigen Buch von Hape Kerkeling benannt und beschreibt die Pilgertour des Entertainers nach Santiago de Compostela. Eigentlich befasst sich die Mühlenturm-Ausstellung von Matthias Dunemann mit den Themen Landschaft, Gebäude und Menschen. Arrangiert sind die drei Themen auf drei Ebenen. Immer wieder mischen sich Motive vom Jakobsweg nach Santiago darunter.

2011 brach der Sevelener zu seiner Pilgerreise auf. „Für mich ist es damals gut gewesen, mich der körperlichen und christlichen Herausforderung zu stellen“, sagt der Fotograf, der im Alltag technischer Teamleiter ist. Am Anfang stand die Entscheidung, ob überhaupt eine Kamera mit auf Pilgertour sollte. Dagegen sprachen zuviel Ablenkung, zuviel Gewicht, lieber mit Erinnerungen arbeiten statt mit festen Bildern. Am Ende hat Dunemann sich doch für die Kamera entschieden, eine gekauft. „Spiegelreflex, von Nikon, Einsteigermodell“, sagt er. 9000 Fotos hat er damit gemacht, bei Wind und Wetter.

Hügelig und bisweilen karg ist die Landschaft im Norden Spaniens (l.). Die Sonne scheint, doch noch ist fast die Hälfte des Weges zu wandern (r.). FOTO: Matthias Dunemann

Die Bilder zeigen volle Schlafräume, Menschen, denen er unterwegs begegnet ist, und ganz viel Landschaft. „Die Orte, wo nichts ist, da macht man seine Erfahrungen“, sagt der Fotograf. Gestartet ist er mit seiner Reisegefährtin im spanischen Longroño. Etwa 660 Kilometer waren es von dort bis Santiago de Compostela.

Das ist das Ziel des Jakobswegs, das Grab des Apostels Jakobus. Einen „Ablassbrief“ hat Dunemann am Ende auch erhalten. Völliger Sündenerlass für denjenigen, der den Pilgerweg schafft, das geht noch auf das Mittelalter zurück. Damals konnten Verbrecher den Weg nach Santiago de Compostela einschlagen. „Hatten sie es geschafft, wurden sie freigesprochen. Aber die meisten sind auf dem Weg gestorben oder ausgeraubt worden“, erklärt der Fotograf. Um den Pilgern zu helfen, gab es am Wegesrand „Hospitale“. Ab und zu taucht der Name bei einer Pilgerherberge heute noch auf, meistens steht dort aber „Albergue“. Um dort unterzukommen, braucht der Pilger einen Pilgerausweis. Seinen hat Dunemann in Kevelaer geholt. Am Ende waren es zwei, mittlerweile versehen mit vielen bunten Stempeln.

Drei bis vier Tage habe er gebraucht, um vom Touristen auf Pilger umzuschalten, körperlich und seelisch anzukommen. „Es wird einem genommen, was das Leben anscheinend ausmacht“, sagt der Sevelener. Plötzlich ist da die Erkenntnis. „Nicht planen müssen, nicht ein Zimmer buchen müssen, da sind nur gelbe Pfeile auf dem Weg, mehr braucht es nicht.“ Das Pilgerleben sei ein reduziertes, einfaches, sorgenfreies Leben. „Anstrengend ist es auf jeden Fall, aber es lohnt sich.“ Privatsphäre ist Fehlanzeige, wenn man in der Pilgerherberge mit vielen in einem Raum schläft.

Warum ist er denn nun gelaufen? „Man ist schon auf der Suche“, sagt der 46-Jährige. Für ihn sei es die intensivste Zeit seines Lebens gewesen. „Man muss den Weg in der richtigen Lebenssituation machen, sonst ist es nur Wandern“, gibt er künftigen Pilgern mit auf den Weg. Gelernt hat er auf der Strecke einiges, etwa: „Nimm kein Teil mehr mit, als du tragen kannst“. Das gelte für den Rucksack genauso wie für den Alltag. Wichtig seien auch gute Weggefährten. Und ja, er würde sich wieder den Rucksack schnappen, sich auf den Weg machen, noch einmal pilgern. Noch Tage, nachdem er wieder zu Hause war, habe er das Bedürfnis gehabt, wieder Rucksack und Stöcke zu nehmen und zu pilgern. 28 reine Lauftage waren das, etwa 660 Kilometer.

Das Fotografieren hat ihn auf dem Jakobsweg erst richtig gepackt. „Ich habe früher viel gemalt“, sagt Dunemann. „Es ging mir aber alles nicht schnell genug.“ Die Fotografie habe ihm die Augen geöffnet. Dank der Kamera sah er die Welt auf dem Jakobsweg aus verschiedenen Blickwinkeln. Für ihn ist es wie ein persönliches Tagebuch.

Beim Betrachter erzeugen die Fotos Emotionen. „Wenn eins von 1000 das schafft, ist das ziemlich gut“, meint Dunemann. In der Ausstellung sind 102 Fotos plus 150 vom Jakobsweg. Weil die so großen Anklang fanden, hat Dunemann die in der vierten Etage des Mühlenturms zusammen mit Karte und Pilgerpass ausgebreitet.

Quelle: RP